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Bauphysik

Wie die Beschichtung wirkt

Zwei Zeichnungen beantworten die Frage. Die erste zeigt, was an der Wand passiert, die zweite, warum es passiert. Beide nennen zu jeder Zahl Verfahren, Randbedingung und Belegstatus.

Die Aussage ist nicht „wärmer“, sondern „aus dem Schimmelkriterium heraus“.

Entscheidend für einen Bestandsbau ist nicht der Wohlfühlwert, sondern die Temperatur der raumseitigen Oberfläche. Liegt sie unter dem Schimmelkriterium nach DIN 4108-2, wächst Schimmel — unabhängig davon, wie gut geheizt wird. Der Schnitt zeigt beide Fälle an derselben Wand.

Bauteilschnitt einer 24 cm starken Vollziegelwand mit Temperaturverlauf ohne und mit Innenbeschichtung Waagerechter Schnitt durch die Wand, von links nach rechts: Aussenluft, 15 mm Aussenputz, 24 cm Vollziegelmauerwerk, 15 mm Innenputz, 0,5 mm Beschichtung (stark überhöht dargestellt), Innenluft. Die Putz- und Mauerwerksschichten sind untereinander massstäblich, nur die Beschichtung ist überhöht. Die senkrechte Achse zeigt die Temperatur von −5 °C bis 21 °C. Die gestrichelte Kurve gilt ohne Beschichtung, die durchgezogene Kurve mit Beschichtung; beide Kurven sind zusätzlich direkt beschriftet und deshalb nicht allein an der Farbe zu unterscheiden. Ohne Beschichtung fällt die Temperatur von 21 °C Raumluft auf 13,0 °C an der Innenoberfläche und liegt damit unterhalb des Schimmelkriteriums von 13,2 °C und nur 0,1 K über dem Taupunkt von 12,9 °C. Mit Beschichtung beträgt die Innenoberflächentemperatur 19,7 °C und liegt 6,5 K über dem Schimmelkriterium. Beide Oberflächentemperaturen sind Feldmesswerte, zu denen ein Messprotokoll bislang nicht vorliegt; ihr Beleg ist damit offen. Der Verlauf innerhalb des Bauteils ist daraus mit R_si = 0,13, R_se = 0,04 und 0,015 m²K/W je Putzschicht zurückgerechnet und an keiner Stelle gemessen; die gesamte gemessene Differenz ist dabei rechnerisch der Beschichtungsebene zugeordnet. Das bedeutet, dass die Putzfläche hinter der Beschichtung rechnerisch bei −2,1 °C statt bei 13,0 °C liegt - Tauwasser im Bauteilquerschnitt ist deshalb getrennt nach DIN 4108-3 zu bewerten und wird von dieser Zeichnung nicht beantwortet. −505101520 °C Schimmelkriterium 13,2 °C · Rechenwert nach Norm DIN 4108-2, f_Rsi = 0,7, bei −5 °C / 21 °C Taupunkt 12,9 °C · Rechenwert nach Norm bei 21 °C Raumluft und 60 % r.F. Gefahrenzone unter 13,2 °C Oberfläche unter dem Schimmelkriterium mit Beschichtung · 19,7 °C durchgezogene Kurve Feldmessung, Beleg offen ohne Beschichtung · 13,0 °C gestrichelte Kurve Feldmessung, Beleg offen Beschichtung 0,5 mm - überhöht dargestellt Aussenluft Aussenputz 15 mm Mauerwerk 24 cm Innenputz 15 mm Innenluft aussen −5 °C · innen 21 °C · 60 % r.F. · Wandaufbau: 24 cm Vollziegel + 15 mm Kalkzementputz
G1 - Bauteilschnitt mit Temperaturprofil. Die Aussage ist nicht "wärmer", sondern "aus dem Schimmelkriterium heraus": ohne Beschichtung liegt die Innenoberfläche mit 13,0 °C unter dem Schimmelkriterium von 13,2 °C, mit Beschichtung mit 19,7 °C deutlich darüber.
Oberflächentemperaturen 13,0 °C und 19,7 °C: Feldmessung - Mehrfamilienhaus in Betonskelettbauweise, Randbedingung aussen -5 °C / innen 21 °C / 60 % r.F.; Messprotokoll mit Datum und Objektkennung liegt der Redaktion noch nicht vor und ist nachzureichen. Kein Prüfbericht einer akkreditierten Prüfstelle.
Taupunkt 12,9 °C und Schimmelkriterium 13,2 °C: Rechenwert nach Norm - Taupunkt nach Magnus-Formel für 21 °C und 60 % r.F., Schimmelkriterium nach DIN 4108-2 mit f_Rsi = 0,70 bei -5 °C aussen und 21 °C innen.
Alle übrigen Temperaturen im Bauteil (−2,5 / −1,6 / 12,1 °C ohne, −4,6 / −4,5 / −2,2 / −2,1 °C mit Beschichtung): Rechenwerte, aus den beiden gemessenen Oberflächentemperaturen mit R_si = 0,13, R_se = 0,04 und 0,015 m²K/W je Putzschicht zurückgerechnet. An diesen Stellen wurde nicht gemessen.
Die gemessene Differenz ist dabei vollständig der Beschichtungsebene zugeordnet - eine Modellannahme, kein Materialkennwert. Daraus folgt rechnerisch eine kältere Putzfläche hinter der Beschichtung (−2,1 statt 13,0 °C); Tauwasser im Querschnitt ist gesondert nach DIN 4108-3 zu beurteilen und wird von dieser Zeichnung nicht beantwortet.
Massstab: Putz- und Mauerwerksschichten sind untereinander massstäblich gezeichnet (1,5 Einheiten je mm). Nur die Beschichtungsdicke von 0,5 mm ist überhöht dargestellt, damit die Schicht sichtbar bleibt.
Werte als Tabelle
Temperaturen im Bauteilquerschnitt, Randbedingung: aussen −5 °C · innen 21 °C · 60 % r.F. · Wandaufbau: 24 cm Vollziegel + 15 mm Kalkzementputz
PositionTemperatur ohne BeschichtungTemperatur mit BeschichtungReferenzwertBelegstatus
Aussenluft−5,0 °C−5,0 °Ckein Grenzwert (gesetzte Randbedingung)Gesetzte Randbedingung, keine Messung.
Aussenoberfläche (Aussenputz)−2,5 °C−4,6 °Ckein GrenzwertRechenwert – aus den beiden gemessenen Oberflächentemperaturen über die Schichtwiderstände zurückgerechnet. Keine Messung an dieser Stelle.
Übergang Aussenputz / Mauerwerk−1,6 °C−4,5 °Ckein GrenzwertRechenwert – aus den beiden gemessenen Oberflächentemperaturen über die Schichtwiderstände zurückgerechnet. Keine Messung an dieser Stelle.
Übergang Mauerwerk / Innenputz12,1 °C−2,2 °Ckein GrenzwertRechenwert – aus den beiden gemessenen Oberflächentemperaturen über die Schichtwiderstände zurückgerechnet. Keine Messung an dieser Stelle.
Raumseitige Putzfläche (unter der Beschichtung)13,0 °C (= Innenoberfläche, keine Beschichtung vorhanden)−2,1 °Ckein Grenzwert; Tauwasser im Querschnitt gesondert nach DIN 4108-3 zu prüfenRechenwert – Folge der Modellannahme, dass die gesamte gemessene Differenz der Beschichtungsebene zugeordnet wird. Keine Messung an dieser Stelle.
Innenoberfläche (raumseitig)13,0 °C19,7 °CTaupunkt 12,9 °C / Schimmelkriterium 13,2 °CFeldmessung der Oberflächentemperatur – Messprotokoll, Messdatum und Objektkennung liegen nicht vor, der Beleg ist offen. Grenzwerte: Rechenwert nach Norm.
Innenluft21,0 °C21,0 °Ckein Grenzwert (gesetzte Randbedingung)Gesetzte Randbedingung, keine Messung.

Der Wirkmechanismus: Strahlung statt Dicke

Eine 0,5 mm starke Schicht kann über ihre Dicke keine nennenswerte Dämmwirkung aufbauen. Die Wirkung läuft über den Emissionsgrad: eine Oberfläche, die weniger Wärme abstrahlt, bleibt wärmer. Das ist derselbe Low-E-Effekt wie bei einer beschichteten Isolierglasscheibe.

Strahlungsbilanz: Emissionsgrad von Standardputz und PowerSmartCoat im VergleichZwei nebeneinanderliegende Halbbilder mit je einer senkrechten Wandkante und einem Fächer aus Pfeilen, die die Wärmeabstrahlung in den Raum darstellen. Links Standardputz mit einem Emissionsgrad von rund 0,90 (Literaturwert): zehn dicke Pfeile, abgestrahlte Leistung 100 Prozent als Bezugswert. Rechts PowerSmartCoat mit einem Emissionsgrad von 0,25 (Herstellerangabe, ausdrücklich nicht geprüft): nur drei dünne Pfeile, abgestrahlte Leistung rund 28 Prozent. Die Anzahl der Pfeile kodiert die Größe der Abstrahlung. Verglichen wird bei gleicher Oberflächentemperatur; der Gesamteffekt am Bauteil hängt zusätzlich von Konvektion und Wärmeleitung ab.StandardputzEmissionsgrad rund 0,90Literaturwert, nicht am Objekt geprüft10 Pfeileabgestrahlte Leistung, relativrechnerisch, Basis: Literaturwert100 %PowerSmartCoatEmissionsgrad 0,25Herstellerangabe, ausdrücklich nicht geprüft3 Pfeileabgestrahlte Leistung, relativrechnerisch, Basis: Herstellerangabe, ungeprüftrund 28 %Vergleich der Emissionsgrade bei gleicher Oberflächentemperatur. Der Gesamteffekt am Bauteilhängt zusätzlich von Konvektion und Wärmeleitung ab.
Abbildung G2: Strahlungsbilanz und Emissionsgrad. Verfahren: Vergleich der abgestrahlten Leistung nach Stefan-Boltzmann, die Leistung ist dem Emissionsgrad proportional. Randbedingung: gleiche Oberflächentemperatur, gleiche Fläche, gleiche Umgebung; die relative Abstrahlung ergibt sich als 0,25 geteilt durch 0,90 gleich rund 28 Prozent. Belegstatus: der Wert 0,90 für mineralischen Putz ist ein Literaturwert, der Wert 0,25 ist eine Herstellerangabe und ausdrücklich nicht geprüft. Dargestellt ist ein Low-E-Effekt, also eine geringere Wärmeabstrahlung der Oberfläche. Er ist kein Lambdawert und ersetzt keine Dämmschicht.
Werte als Tabelle
Abgestrahlte Leistung bei gleicher Oberflächentemperatur, bezogen auf Standardputz gleich 100 Prozent.
OberflächeEmissionsgradrelative AbstrahlungBelegstatus
Standardputz, mineralischrund 0,90100 %Literaturwert, nicht am Objekt geprüft
PowerSmartCoat0,25rund 28 %Herstellerangabe, ausdrücklich nicht geprüft

Rechenweg: relative Abstrahlung gleich Emissionsgrad geteilt durch 0,90. Die Grafik kodiert die Größe über die Anzahl der Pfeile, zehn gegenüber drei, damit der Unterschied auch bei Farbfehlsichtigkeit und im Schwarzweiß-Ausdruck zählbar bleibt. Vergleich der Emissionsgrade bei gleicher Oberflächentemperatur. Der Gesamteffekt am Bauteil hängt zusätzlich von Konvektion und Wärmeleitung ab.

Belegstatus dieser Seite

Die dargestellten Ergebnisse stammen aus Untersuchungen zur Wirksamkeit der Nanotechnologie-Dämmbeschichtung, deren vollständige Berichte dieser Seite nicht vorliegen. Feldmessungen sind nicht unter Normbedingungen im Prüfstand ermittelt. Angaben ohne Prüfbericht sind Herstellerangaben und ausdrücklich nicht geprüft. Für die Ausführung gelten ausschließlich das aktuelle Technische Merkblatt und das Sicherheitsdatenblatt des Herstellers in der jeweils gültigen Fassung.